Kein Handyverbot nach französischem Vorbild

Der LandesSchülerRat Sachsen und die Kreisschülerräte aus dem Erzgebirgskreis und dem Landkreis Zwickau sind enttäuscht über die unreflektierten und teilweise widersprüchlichen Aussagen des Erzgebirgischen Kreiselternsprechers Thomas Klug. Wir bedauern es sehr, dass Herr Kluge offenbar trotz seiner Erfahrung als Vater und Elternvertreter nicht in der Lage ist, sachlich über das Thema Handyverbot an Schulen zu sprechen.

Herr Klug wählt drastische Worte, um zu beschreiben, welche Schandtaten Schüler angeblich treiben, wenn sie ihr Handy benutzen. Wir wehren uns in aller Form gegen solche pauschalen Unterstellungen. Sicher, es gibt Schüler, die nicht verantwortungsvoll mit Smartphones umgehen können. Doch jedem von uns zu unterstellen, er sei ein Sklave seines Smartphones, empfinden wir als beleidigend. Es tut uns leid, wenn Herr Klug solch negative Erfahrungen in seinem Umfeld oder seiner Schule gemacht haben sollte, doch das gibt ihm nicht das Recht zu einem Rundumschlag gegen alle Schülerinnen und Schüler.

Zudem ist es uns unverständlich, wie Herr Klug dem Problem der unsachgemäßen Smartphonenutzung begegnen will. Er sagt selbst, digitale Bildung müsse in der Schule stattfinden, gleichzeitig will er aber das Smartphone per Verbot aus der Schule aussperren.

Wir finden: Medienkompetenz am Handy kann man nicht durch ein Handyverbot lernen. Die Schule muss sich mit dem Smartphone auseinandersetzen. Smartphones können eine sinnvolle Unterstützung für den Unterricht sein, wenn sie auf Basis eins guten pädagogischen Konzepts unter Aufsicht des Lehrers verwendet werden. Smartphones sind heutzutage sehr leistungsfähige Geräte und besitzen einen großen Funktionsumfang. Somit können sie vergleichbares analoges Material in vielen Fällen ersetzen. Von Messungen in den Naturwissenschaften bis zum Fotografieren in der Kunst – sie können in fast allen Fächern sinnvoll eingesetzt werden. Unabhängig davon muss auch das Smartphone selbst Unterrichtsgegenstand sein, im Zuge der Ausbildung von Medienkompetenz, auch bei jüngeren Schülerinnen und Schülern. Gerade in Zeiten, in denen die digitale Schule noch in weiter Ferne liegt, braucht es das Smartphone als sofort verfügbares Mittel digitaler Bildung.

Herr Klug spricht zudem von „französischer Strenge an Erzgebirgischen Schulen“. Er plädiert für eine zeitgemäße Medienbildung inklusive einer Ausstattung aller Schulen mit Tablet. Dazu sei gesagt, dass in Frankreich nur ein Handyverbot für die jüngeren Schüler existiert, zu Unterrichtszwecken kann die Smartphonenutzung aber ausdrücklich erlaubt werden. Das entsprechende französische Gesetz verbietet übrigens auch Tablets, außer zu Unterrichtszwecken – diesen Teil französischer Strenge scheint Herr Klug nicht haben zu wollen. Offenbar war weder Herr Klug noch ein anderer mitverantwortlicher Elternvertreter in der Lage, hier sauber zu recherchieren. Wir legen allen Beteiligten einen Workshop zur Medienkompetenz ans Herz, am besten bei einem der zahlreichen Lehrkräfte im Erzgebirgskreis, in Zwickau und in ganz Sachsen, die bereits erfolgreiche Konzepte zur Medienbildung praktizieren.

Wir bitte allen Elternvertretungen und -vertretern, sich zweimal zu überlegen, ob sie sich den Argumenten von Herrn Klug und seinen Kollegen aus dem Erzgebirgskreis und dem LK Zwickau anschließen wollen. Die Kreiselternräten im Erzgebirgskreis und dem LK Zwickau bitten wir, als Kreisschülerräte aus dem Erzgebirgskreis und dem LK Zwickau zudem, ihre Position noch einmal zu überdenken. Den Landeselternrat fordern wir, als Landesschülerrat Sachsen, auf, sich dieser Position nicht anzuschließen – oder zumindest eine ordentliche Begründung zu suchen, die Schülerinnen und Schüler (und damit Söhne und Töchter) nicht pauschal verurteilt.

Sten Förster

Vorsitzender des KSR Zwickau

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